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Schwangerschaft aus Sicht der chinesischen Medizin

Eine Schwangerschaft ist ein wahres Wunder, bedenkt man, wie viele Faktoren und Gegebenheiten passen müssen, damit es zu einer Befruchtung und einer Einnistung kommen kann. (Mehr dazu HIER)

Der weibliche Körper und ihr Organ, die Gebärmutter leistet hier Großartiges. Die Gebärmutter, in der TCM auch Palast des Kindes genannt, ist um die 7x5 cm groß und wiegt ca 60 g. Sie wächst im Laufe der Schwangerschaft so heran, dass sie bis unter den Rippenbogen reicht und um die 1000 g schwer wird.  

Aus chinesischer Sicht wird sie von einigen Meridianen durchzogen, welche das Baby mit Blut, Qi und Essenz versorgen und auch für die Plazenta- und dann für die Milchbildung verantwortlich sind.

Die Bedeutung der Meridiane in der Schwangerschaft

(Auszug aus dem Ebook „Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit)

 

Der Chong Mai und der Ren Mai spielen in der Schwangerschaft eine große Rolle, da sie das Blut zur Verfügung stellen. Normalerweise wird das Blut über die Menstruation wieder ausgeschieden. Da dies jetzt nicht der Fall ist, füllen sich diese, das Yin-Qi (Blut) bleibt in der Gebärmutter, das Yang-Qi steigt auf. Das erklärt einerseits die gute Abwehrkraft und das Wärmegefühl der Frau und andererseits kann dies mitunter die Übelkeit, das Sodbrennen erklären, wenn der Magen nicht stark genug ist, die aufsteigende Energie einzudämmen.

 

Der Chong Mai als "See des Blutes" ist auch verantwortlich für die Bildung der Plazenta von der sich der Embryo ab dem 4. Monat ernährt, und der Muttermilch. Liegt ein Leberblutmangel vor, dann wird dies auch eine Auswirkung auf die Muttermilch haben.

 

Da der Chong Mai mit dem Lebermeridian in Verbindung steht, wird sich ein Ungleichgewicht in der Leber (Leber-Qi-Stagnation, Leberblutmangel) auch auf den Chong Mai und somit der Bildung von Milch auswirken können. Diese Verbindung macht sich auch zu Beginn der Schwangerschaft bemerkbar. Der Lebermeridian gerät dann auch in eine Fülle, Leber-Yang steigt dann schneller auf. Es kommt zu Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen. Nach den berühmten drei Monaten sollte sich das dann aber wieder reguliert haben.

 

Chong Mai und Ren Mai versorgen in den ersten zwölf Wochen den Embryo mit Essenz. Fehlentwicklungen wie Skoliose, Hörminderung, Klumpfuss sind auf einen Mangel von Essenz zurückzuführen.

 

Außerdem wird der Fötus jeden Monat von einem anderen Meridian der Frau versorgt. Eine Fülle oder Leere in dem jeweiligen Organ und somit Meridian kann sich dann theoretisch auch auf das Ungeborene auswirken.

Es gibt in der TCM eine richtige "Pflege des Embryos“. Hier wird je nach Schwangerschaftsmonat besonderes Augenmerk auf Ernährung und Lebensführung gelegt. So wird zum Beispiel im 7. Monat der Embryo über die Lungenleitbahn versorgt. In dieser Zeit sollte man sich nicht zu viel ausruhen, sich lieber viel an der frischen Luft bewegen und scharfe Nahrungsmittel meiden.

 

Gut zu wissen: Reinigung von fetalen Toxinen

Im Trimesterwechsel findet eine Reinigung der werdenden Mutter statt. Sie will Toxine loswerden, die sie aufgrund der Ernährung, Medikamenten oder der Umwelt aufgenommen hat und die sonst auf das Ungeborene übergehen können.

Das passiert über den Stuhlgang oder über die Haut. Die Frau kann in diesen beiden Wochen also unter Durchfall, Hautausschlag, Schwitzen und/oder starker Müdigkeit leiden. Diesen Prozess kann man mit Akupunktur unterstützen.

Nach der Geburt findet ebenfalls eine Reinigung von Toxinen statt. Bei der Mutter wieder über das Schwitzen und auch über den Wochenfluss. Falls das Baby zu viele Toxine angesammelt hat, wird es diese vorwiegend über die Haut z.B. als Milchschorf ausleiten.


Beschwerden in der Schwangerschaft und wie sie die traditionelle chinesische Medizin sieht

Wichtig: bitte achte auf die Zeichen deines Körpers und gehe rechtzeitig zum Gynäkologen. Vor allem Bauchschmerzen, starke Übelkeit, Wassereinlagerungen und Bluthochdruck gehören hier zum Schulmediziner!

Beschwerden zeigen immer ein Ungleichgewicht im Körper-Geist-Seele-Gefüge und einen blockierten Qi-Fluss an.

Gerade in dieser besonderen Zeit ist es wichtig eine Balance zwischen Ruhe/Entspannung und Bewegung/Aktivität zu finden, sich gesund zu ernähren und auf Genussmittel zu verzichten. 

 

  • Morgendliche Übelkeit: Viele Frauen leiden unter der morgendlichen Übelkeit. Eine leichte Übelkeit wird als relativ normal angesehen, da eben der Chong Mai „rebelliert“. Bei leichter Übelkeit kann versucht werden, mittels Kräutern, Akupressur, Akupunktur oder bestimmten Nahrungsmitteln die Übelkeit zu lindern. Ein Mittel das viele kennen, ist etwas Ingwerwasser zu trinken. Auch Zitronenmelisse soll helfen, ebenso wie die Akupressur von Perikard 6 (zwei Fingerbreit unter dem Handgelenk zwischen den Sehnen) mit Hilfe des „SeaBand“s. Leidet die Frau aber unter sehr starker Übelkeit und kann eventuell keine Nahrung mehr bei sich behalten, sollte unbedingt eine schulmedizinischen Behandlung vorgezogen werden, damit die Frau nicht weiter geschwächt wird.
  • Sodbrennen kennen viele erst zum Ende der Schwangerschaft, wenn das Baby den Magen etwas nach oben drückt. Aber auch schon zu Beginn kann das vorkommen. Vielen wird jetzt zu Milch geraten. Wissenschaftler sind sich aber noch uneinig, ob Milch die Säure neutralisieren kann, da der pH-Wert mit 6,5 bei leicht sauer liegt und somit eher zu einer Verschlechterung führt. Aus Sicht der TCM wäre Milch ohnehin nicht zu empfehlen. Hier ist es ratsam, erhitzende Lebensmittel (scharfes, Gebratenes, Frittiertes) sollten hier noch mehr gemieden werden.
  • Ödeme: Ödeme gehören, wenn sie neu auftreten, stark zunehmen oder über Nacht nicht verbessern schulmedizinisch abgeklärt. Zum Ende der Schwangerschaft sind leichte Ödeme relativ normal. Aus Sicht der TCM steckt dahinter ein Yang-Mangel der Milz oder der Niere (Umwandlung von Flüssigkeiten ist eingeschränkt) und kann mit bestimmten Lebensmitteln, wie z.B. Hülsenfrüchte, Reis und vielen warmen Essen unterstützt werden.
  • Anämie: Eine Blutarmut kommt bei vielen Frauen im Laufe der Schwangerschaft vor. Am Besten ist, schon vorbeugend vor der Schwangerschaft das Blut und das Qi aufzubauen. Mit entsprechender Ernährung, Kräutern, Akupunktur und Moxibustion kann der Blutaufbau unterstützt werden. Ein schwerer Eisenmangel sollte unbedingt schulmedizinisch behandelt werden, um dein Baby, aber auch dich (vor allem auch im Wochenbett) zu schützen. Aus chinesischer Sicht steckt hinter der Anämie ebenfalls ein Blutmangel (der Leber oder des Herzens), der meist mit einem Milz-Qi-Mangel einhergeht. Toller Blutbooster ist die klassische Kraftbrühe (auch vegetarisch möglich). Hier geht´s zum Rezept:

(Mehr Symptome und wie du dich mit Hilfe der Ernährung unterstützen kannst, eine lange Lebensmittelliste und vielen mehr Infos findest du in meinem Ebook)


Wie immer gilt, dass dieser Artikel die Sicht der chinesischen Medizin darstellt. Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche Beratung oder Behandlung bei Arzt oder Therapeuten und ich möchte hier keinerlei Heilversprechen oder die Sicherung einer Linderung der Symptome vermitteln. 


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