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Warum ist das warme Frühstück so wichtig?

Was die Einteilung der Nahrungsmittel zu bedeuten hat, hast du ja in den letzten Artikeln lesen können. Warum aber das warme Frühstück der eigentlich bedeutendste Aspekt in der chinesischen Ernährungslehre ist, das möchte ich euch heute erklären. Anfangen muss ich ganz von vorne mit der Qi-Produktion:

 

Die TCM teilt den Körper in Funktionskreise ein.  Die 6 Yin-Organe Lunge, Leber, Milz-Pankreas, Niere, Herz, Perikard und die 6 Yang-Organe Dickdarm, Gallenblase, Magen, Blase, Dünndarm und SanJiao (3-Erwärmer). Diese haben nur teilweise gleiche Funktionen wie in der westlichen Medizin, ausserdem erweitern sich die Funktionen in der psychischen und geistigen Ebene.

 

Nun aber zur Qi-Produktion:

Was ist eigentlich Qi?

Qi lässt sich schwer übersetzten. Ganz einfach gesagt ist sie unsere Lebensenergie.  Es gibt verschiedene Qi-Arten. Qi fliesst mitunter in den Meridianen (ein komplexes Leitbahnsystem im ganzen Körper) und versorgt so unsere Organe, um sie funktionieren, produzieren und umwandeln zu lassen.

Die Milz ist eines der wichtigsten Organe, welches zur Qi-Produktion beiträgt. Die Nahrung die wir zu uns nehmen gelangt über den Magen zur Milz. Diese filtert daraus das Nahrungs-Qi , das zur Lunge geht. Durch die Atmung nehmen wir Sauerstoff zu uns welcher zusammen mit dem Nahrungs-Qi in der Lunge zu Sammel-Qi wird.

Aus dem Sammel-Qi entsteht in der Niere:

  • das Abwehr-Qi, dass unter der Haut zirkuliert und uns vor Erregern schützt,
  • das Ursprungs-Qi (welches auch von der vorgeburtlichen Energie der Niere kommt), dass die Organe arbeiten lässt und 
  • das Nähr-Qi, welches in den Meridianen fliesst und die Organe damit versorgt.

Ausserdem wird das Nahrungs-Qi zur Blutproduktion im Herzen benötigt.

Wenn wir nicht genügend "Nach-Himmels-Qi" (also das Qi für das wir selber sorgen können) durch unsere Ernährung und unsere Atmung produzieren,  wird die Essenz, das "Vor-Himmels-Qi", der Nieren angezapft. Das Vor-Himmels-Qi ist irgendwann zu Ende, und ist es zu Ende stirbt der Mensch. Deshalb wollen wir die Essenz so gut wie es geht bewahren, indem wir die Milz fleissig produzieren lassen.

 

Du siehst der Ursprung liegt in der Milz. Damit die Milz richtig arbeiten kann und Nahrungs-Qi extrahieren kann, muss ihr Wärme zugeführt werden. Kälte schwächt die Milz. Das ganze lässt sich immer gut anhand eines warmen Topfes erklären:

Der Topf stellt den Magen dar, in dem der Essensbrei ankommt. Die Wärme unter dem Topf ist die Milz und die Herdplatte sind die Nieren, von denen das Feuer (Yang) kommt. Der Dampf, der über dem heissen Kochtopf entsteht stellt das Qi dar, das extrahiert wird und zu den Organen geschickt wird. Je wärmer das Essen ist, das wir zu uns nehmen, umso weniger müssen wir die Herdplatte aufdrehen und schonen so unsere Energien.

 

Es ist also wichtig,

  • so oft wie möglich warm zu essen, vor allem das warme Frühstück lässt das Verdauungsfeuer gleich am Morgen leichter entfachen und es muss nicht unnötig Energie zum Aufwärmen der Nahrung verschwendet werden.
  • Morgens ist die Milzenergie und das Yang am stärksten, dann nimmt sie im Laufe des Tages ab. Das heißt morgens die größte Portion, abends die Kleinste. 
  • kälteerzeugende Lebensmittel wie kalte Säfte, Rohkost, Tiefkühlkost, Milchprodukte zu meiden,
  • verschleimende Lebensmittel wie Bananen, zu viele Brotmahlzeiten, Süßigkeiten und Milchprodukte zu meiden.
  • Unregelmäßiges Essen und Zwischenmahlzeiten fordern die Milz auch zusätzlich. 

Wenn man an einem Qi-Mangel leidet ist das noch anstrengender für die Milz, deshalb setzt die Therapie auch genau hier an. Der Milz-Qi-Mangel ist aufgrund unserer sehr fordernden Zeiten und unserer kalten und "verschleimenden" Ernährung sehr stark verbreitet.  Man erkennt ihn an folgenden Symptomen: Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Schwäche der Muskeln, weicher Stuhlgang, blasse Gesichtsfarbe, Grübeln. Geht der Qi-Mangel in einen Yang-Mangel über,  kommen Ödeme und Kältegefühle hinzu.

 

Die chinesische Ernährungslehre teilt die Nahrungsmittel in die 5 Geschmacksrichtungen (sauer, bitter, süss, scharf, salzig) ein, welche eine bestimmte Organzugehörigkeit und Wirkung haben. Ausserdem in den thermischen Zustand des Lebensmittel (kalt, erfrischend, neutral, warm, heiss).

 

Um die Milz zu stärken und zu unterstützen sollte man vorwiegend süße (und hier ist die natürliche Süße von Getreiden und Gemüsen gedacht) mit warmer, neutraler Thermik zu sich nehmen. In jeder Mahlzeit sollte aber jede Geschmacksrichtung vertreten sein.

Das wäre zum Beispiel ein warmer Getreidebrei (Rezept siehe unten)  aus Hirse, Polenta oder Reis. Aber es ist natürlich auch in Ordnung, den Tag mit einem warmen Rührei oder Spiegelei zu starten. Es kann sein dass der Appetit und Hunger am Morgen fehlt, dies lässt sich aber gut antrainieren.

 

Es kostet einige Kraft und Zeit auf die Brotzeit am Morgen und evtl auch am Abend zu „verzichten“, aber es zahlt sich aus. Die Energie wird mehr, eventuelle Blähungen ebenso wie Heisshungerattacken können verschwinden.

 

Hier noch ein einfaches Rezept für das warme Frühstück:

 

200 ml Wasser oder Hafer-/Reisdrink mit je 2 gehäuften EL Hirseflocken und Reisflocken (gibt es in der Drogerie) mischen und aufkochen lassen. Die Hitze dann zurückdrehen und den Brei ca 10 min eindicken lassen. Je nach Geschmack den Brei mit wärmenden Gewürzen wie Zimt, Kardamom oder Bockshornkleesamen verfeinern. In der Zwischenzeit kann Obst (Äpfel, Nektarinen, Beeren, je nach Saison) geschnitten und mit ein wenig Obstsaft erwärmt werden. Dem Brei noch ein kleines Stück Butter oder einen Schuss Sahne einrühren, dann zusammen mit dem Obst und Nüssen oder selbstkreiertes Granola geniessen.

 

 

 

Viel Freude beim Ausprobieren! 


Warum das warme Frühstück in der 5-Elemente-Ernährung so wichtig ist

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