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Das Immunsystem - Abwehr-Qi

Aufgrund der aktuellen Lage möchte ich in diesem Beitrag etwas näher auf das Immunsystem eingehen. Viele haben Angst vor Ansteckung bzw. einen schweren Verlauf des Corona-Virus.

Ich möchte verständlich machen, wie die TCM das Immunsystem sieht, wie es aus chinesischer Sicht funktioniert und was wir tun können, um es zu stärken. (Diese Maßnahmen sind aber keinesfalls ein Garant, dass du gesund bleibst!)

 

Was ist das Immunsystem in der TCM?

Das Immunsystem teilt sich in eine spezifische, angeborene Immunabwehr und in eine erworbene, spezifischen Immunabwehr auf. Es sind eine Menge Blutkörperchen und Proteine daran beteiligt, dieses komplexe System aufrecht zu erhalten.

 

In der TCM ist mit der malerischen Sprache an sich viel einfacher gestaltet, übernimmt aber dieselben Aufgabe:

Wenn man vom Immunsystem spricht, verwendet man den Ausdruck Abwehr-Qi bzw. Wie-Qi, wobei  Wei „verteidigen“ und „schützen“ bedeutet. Und so kann man sich vorstellen, wie die Abwehr-Qi-Teilchen kleine Ritter sind, die ihre Burg und ihre Tore verteidigen:

Diese kleinen Ritter zirkulieren in dem Bereich zwischen Haut und Muskelgewebe (Cou Li) und haben so einige Aufgaben. Sie beschützen die Tore (Poren), so dass nur rein und raus kann, wer darf. Sie kontrollieren also das Öffnen und Schließen der Tore bzw. Poren. Hier wird der Zusammenhang zum Element Metall, also Lunge und Dickdarm klar: Öffnen und Schließen, Rein- und Rauslassen, Rhythmus, Struktur.

Erreger sollen also nicht rein, sondern raus. Das Öffnen der Poren können wir selbst unterstützen, indem wir etwas Scharfes zu uns nehmen und zwar gleich, wenn wir bemerken, dass uns ein Erreger erwischt hat. So öffnen sich die Tore und die Erreger gelangen mit dem Schweiß nach außen. Oder wir bewegen uns so, dass wir leicht zu schwitzen beginnen. Wichtig ist, dass man sich danach schützt, um durch diese geöffneten Poren nicht wertvolle Körpersäfte und Qi zu verlieren und so wieder geschwächt zu sein. Ist zu wenig Abwehr-Qi da, funktioniert die Kontrolle der Poren nicht mehr. Wir schwitzen dann vermehrt, die Poren sind unkontrolliert offen und Erreger können eindringen. Die andere Aufgabe des Abwehr-Qis ist es, uns zu wärmen. Kälte lässt erstarren: Wird uns kalt, dann werden sich unsere Abwehr-Qi-Teilchen nicht mehr gut bewegen können und ihren Aufgaben nicht mehr nachgehen können.

 

Wie entsteht das Abwehr-Qi?

Wie sooft steht unter anderem die Mitte, also Milz und Magen, unser Verdauungssystem im Vordergrund. Das Qi der Milz ist essentiell für die Entstehung aller anderen Qi-Sorten. Wenn du warme, stärkende Nahrung zu dir nimmst, wird deine Milz (vorausgesetzt diese arbeitet ausreichend gut) daraus Nahrungs-Qi bilden und dieses zur Lunge schicken. Die Lunge fügt jetzt noch den Sauerstoff, den sie am besten aus Bewegung an der Sonne beziehen kann (Vitamin D! Lungenbelüftung mit besserer Sauerstoff- und Blutzirkulation), hinzu und schickt dieses entstandene Sammel-Qi zur Niere. Die Niere wandelt das Ganze jetzt mit ihrem Nieren-Yang (Wärme) in Abwehr-Qi um und schickt es zurück zur Lunge. Die Lunge verteilt es im Cou Li.

 

Das Abwehr-Qi ist warm, zirkuliert jetzt unter unserer Haut und wärmt und schützt uns. Um zirkulieren zu können, benötigt es aber genug Yin (Flüssigkeiten), welches es nach einem Umwandlungsprozess ebenfalls von der Niere bekommt. Wir sollen also nicht zu viel schwitzen, sonst verlieren wir dieses wertvolle Yin und das Abwehr-Qi kann nicht mehr gut zirkulieren. Wenn du wenig Yin hast, merkst du das zum Beispiel an Nachtschweiß, allgemeiner Trockenheit, Blutmangelzeichen, aber auch wenn du mit heftigem Fieber reagierst, sobald ein Erreger eingedrungen ist. Ist zu wenig Yin vorhanden, sind auch die Schleimhäute trockener und Erreger können hier besser eindringen. Das Blut Xue gehört ebenso zum Yin und sorgt für ein gutes Abwehrsystem.

 

Nachts zieht sich das Abwehr Qi wieder in den Körper zurück (Yin-Zeit) und versorgt die Organe. Wir sollten gut eingepackt sein, trotzdem soll aber frische Luft ins Schlafzimmer. Morgens gelangt das Abwehr Qi dann wieder an die Oberfläche, um uns wieder zu schützen. 


Abwehr-Qi-Produktion 


Wann solltest du vermehrt auf dein Abwehr-Qi achten?

In den jetztigen Zeiten sowieso. Aber generell auch wenn du vermehrt Qi brauchst, z.B. in Zeiten von viel Kopfarbeit, wenn du kleine Kinder hast, wenn du wenig schläfst, wenn du Schichtarbeiter bist oder generell viel arbeitest. Und dann natürlich, wenn es draußen kalt und/oder windig wird und äußere Kälte eindringen kann. Die Chinesen bezeichnen eine Erkältung als Wind-Kälte. Ein pathogener Faktor der (meistens mit Hilfe des Windes) in den Körper eindringt und Symptome von Kälte verursacht. Oft wandelt sich diese Kälte in Hitze um und wir leiden dann unter richtigen Grippe-Symptomen.

 

Vermehrt auf dein Abwehr-Qi solltest du aber auch achten, wenn du Zeichen einer schwachen Mitte, Lunge oder Nieren zeigst, z.B:

  • Milz: Müdigkeit, Verdauungsschwäche, Konzentrationsstörungen, viel Grübeln, Ansammlung von Feuchtigkeit (vermehrter Ausfluss, Übergewicht, chron. Durchfall, Wassereinlagerungen, benebeltes Gefühl, Schweregefühl), Hämorrhoiden, Organvorfälle, bestimmte Zyklusstörungen
  • Lunge: schlechte Kondition, leise, schwache Stimme, Sprechen strengt an, Trauerfall, allg. Traurigkeit, Neigung zu Allergien, trockene Haut- und Schleimhaut
  • Niere: chron. Schmerzen in der Lendenwirbelsäule oder Knie, Unfruchtbarkeit oder bestimmte Zyklusstörungen, Entwicklungsverzögerungen als Kind, angeborene Erkr., viele Ohrinfektionen in der Vergangenheit, Skoliose, Ängste, Frieren/Frösteln

 

Das kannst du tun, um dich zu stärken

  • Wie immer gilt: Mitte stärken! Mehr dazu kannst du hier nachlesen.
  • Bewege dich ausreichend an der frischen Luft. Hier ist wichtig, dass du dich schützt, sobald sich durch das Schwitzen die Poren öffnen. Vor allem der Nacken sollte geschützt werden, denn hier dringt gerne der Wind mit seinen pathogenen Faktoren ein.
  • Ganz wichtig: Halte dich warm und kuschelig. Nicht nur von außen, sondern auch von innen durch vorwiegend warmes Essen und warme Getränke. Vermeide kühlende Lebensmittel wie Südfrüchte, Milchprodukte, Sojaprodukte, Süßigkeiten, zu vielen Brotmahlzeiten und esse noch kein Eis. 
  • Nimm ausreichend Vit. C zu dir, z.B. in Form von Hagebutten (Tee, Pulver, Mus) oder Petersilie, Brunnenkresse. Auf keinen Fall aber in Form von Südfrüchten, da sie dich wieder zu arg runterkühlen würden
  • Du kannst jetzt Tees trinken, die das Immunsystem stärken. Bestes Beispiel ist der Cistrosentee. Aber auch Thymiantee stärkt die Immunabwehr. Den aber bitte nicht wenn du unter Hitzesymptomen leidest (gelber Schleim, Halsschmerzen, Fieber).
  • Trinke regelmäßig eine lang gekochte Kraftbrühe. (Bitte nicht mehr, wenn du krank bist)
  • Deine Lunge stärkst du neben der Bewegung an der frischen Luft mit leicht scharfen und Lungen-Qi stärkenden Lebensmitteln wie: Mandeln, Honig,  Marzipan, Birnen, Blumenkohl, Champignons, Fenchelknolle, Frühlingszwiebel, Pastinake, Bärlauch, Lauch, Radieschen, weißer Rettich, Wurzelgemüse, Cashews, Pinienkerne, Pistazien, Reis, Hafer, Trockenfrüchte, Äpfel. Achte hier aber darauf, diese warm zu konsumieren. Außerdem nicht so scharf essen, dass du sehr schwitzt. Dir soll nur warm werden.
  • Wasche dir regelmäßig die Hände, vor allem wenn du Einkaufen warst, fasse dir nicht ans Gesicht (Nase, Ohren, Mund)
  • Halte deine Schleimhäute feucht, benutze dafür bei Bedarf einen Raumbefeuchter oder hänge ein feuchtes Tuch ins Zimmer.
  • Sorge für ausreichend Schlaf, Entspannung und befreie dich möglichst von Angst 
  • Trinke ausleitende und eher scharfe Tees jetzt nur, wenn du merkst, dass du krank wirst. Dazu gehören zum Beispiel: Lindenblüten, Holunderblüten, Ingwer. Auch saure Lebensmittel wie Zitrusfrüchte, Huhn, Ente, Weizen, Dinkel, das meiste Obst, Milchprodukte wie Quark, Yoghurt usw, Hagenbuttentee, Petersilie, Essig, Sauerkraut, Tomate sind jetzt tabu.

 

 

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen mit dieser Vorgehensweise der traditionellen, chinesischen Medizin.

Wie immer gilt, dass dieser Artikel allgemein gehalten ist, kein Versprechen für Heilung oder der Vorbeugung von Krankheiten ist. Ich kann eine individuelle Beratung und Behandlung nur nach einem ausführlichen Anamnesegespräch geben.

 

Alles Liebe von mir und bleib gesund!


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