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Ernährungsumstellung - muss das sein?

Ja, bei der chinesischen Medizin ist Mitarbeit gefragt. Und das gerade dann wenn es einem nicht so gut geht. Genau da hat man das Gefühl, man schafft es nicht....

 

Am Anfang ist es noch eine Umstellung und oft will man das Handtuch werfen. Aber bald schon wird sich herauskristallisieren, dass dir die 5-Elemente-Ernährung gut tun wird, da sie genau an deinen Typ und deine Beschwerden angepasst wird. Und eigentlich ist es gar nicht so schwer, denn du lässt einfach Lebensmittel und Kochweisen weg, die dir nicht gut tun, deine Beschwerden sogar verstärken oder auslösen und auf der anderen Seite setzt du diese ein, die dir sichtlich Wohlbefinden schenken und deine Beschwerden lindern. Das muss alles Schritt für Schritt entstehen und ganz ohne Zwang. Und das wichtigste: das Essen muss schmecken. 

 

Bestimmte Geschmäcker - bestimmte Wirkungen

Wie in diesem Artikel schon beschrieben, hat jeder Geschmack seine eigene Wirkung. So wirkt zum Beispiel der saure Geschmack zusammenziehend und Säfte bewahrend. Der saure Geschmack kommt also zum Einsatz, wenn Säfte (z.B. Blut) gehalten werden sollen, also bei einem Blutmangel. Habe ich aber zum Beispiel gerade eine Erkältung abgekriegt, dann soll der saure Geschmack gemieden werden, weil er die Erkältung innen hält. 

 

Bestimmte Thermiken - bestimmte Wirkungen 

Hier kannst du nachlesen, welche Thermiken es gibt und wie diese wirken. Will ich meinen Körper stärken, ihm Qi zuführen, dann ist der neutrale und warme Geschmack gut. Will ich Blut aufbauen, dann brauche ich eher kühle Lebensmittel (die dann aber erwärmt werden sollten), weil das Kühle eher Flüssigkeiten, also Blut, erhält. Heiß kann eher trocknend wirken. Kalt erzeugt eher Starre und lässt meine Verdauung schlechter arbeiten, kühlt aber wenn ich unter Hitzesymptomen leide. 

 

Bestimmte Lebensmittel- bestimmte Wirkung 

Hier geht es nicht darum, welche Nährstoffe in den Lebensmitteln vorhanden sind. Das ist natürlich auch wichtig, aber in der TCM nicht das ausschlaggebende Kriterium. Eine Banane hat wahnsinnig viele Nährstoffe, sollte aber bei Symptomen von Kälte und/oder Feuchtigkeit nicht zum Einsatz kommen, zumindest nicht täglich und in großen Mengen. Hier meine ich eher Lebensmittel(-gruppen), die Kombination aus Thermik und Geschmack, welche eine bestimmte Wirkung auf den Körper haben. Kühle-saure Obstsorten z.B. wirken ausschwemmend, sollten aber warm gegessen werden (um das Yang und somit die Umwandlungsfunktion zu unterstützen). Kühle-süsse  Lebensmittel (wie Cashews und Avocado) stärken das Yin, vor allem das der Nieren. 

 

Den Jahreszeiten entsprechend essen, das heisst im Sommer darf es mehr Kühles sein, Im Winter natürlich mehr wärmend. Im Herbst unterstützen wir die Abwehr mit weissen Lebensmitteln und dem scharfen Geschmack. Im Frühling sollten wir die Leberfunktion unterstützen, indem wir mehr Saures und Grünes essen. 

 


Ein warmes Frühstück tut uns allen gut. Es bringt gleich am Morgen das "Verdauungsfeuer" in Gang und entlastet so den Verdauungstrakt. 


Wie finde ich heraus, welche Lebensmittel mir persönlich gut tun?

Dazu musst du wissen welcher Konstitutionstyp du bist:

 

Kälte-Typ: Das heisst du leidest unter einem Yang-Mangel, der die Folge eines Qi-Mangels ist. Das Qi stärkt und versorgt unseren Körper, das Yang gibt den wärmenden und umwandelnden Aspekt dazu. Du frierst schnell, bist erschöpft, appetitlos, lagerst eventuell Wasser ein, der Stuhlgang ist eher breiig. Du kannst dich schlecht konzentrieren, machst dir schnell Sorgen, neigst zum Überbehüten , kannst dich nicht richtig zentrieren und grübelst viel. 

  • Hier ist auf jeden Fall das warme Frühstück wichtig, um deinen Körper gleich viel Wärme und Energie zu schenken und der Milz etwas Vorarbeit zu geben. Die Milz ist die Quelle der Qi-Produktion und wird durch kalte Nahrung mehr gefordert. Das heisst die Milz schonen, mit warmen Mahlzeiten, einfachen Menus und wärmenden Gewürzen (Zimt, Kardamom, Pfeffer).  Kaltes, Mineralwasser, Säfte und Rohes, ebenso wie übermässig viele Brotmahlzeiten, Milchprodukte (Butter und Sahne sind aber ok) und Süssigkeiten meiden. Die Art und Weise des Kochens sollte ebenfalls erwärmend sein, das heisst also lange kochen, (über-)backen, braten, grillen und rösten ist hier erlaubt. Auch Lebensmittel, die der kühlen Thermik (z.B. Äpfel, Zucchini, Pastinake) zugeordnet sind, können durch das Kochen oder auch Reiben in warme Thermik gewandelt werden. Aber wie für alles gilt hier auch: nicht eintönig werden, das heisst nicht nur grillen und braten, damit die Säfte nicht austrocknen. 

 

Feuchtigkeits-Typ: Hier ist der Yang-Mangel schon fortgeschritten, sodass die Umwandlung nicht mehr so gut klappt und es zu Ansammlung von Flüssigkeiten kommt. Das heisst, Wassereinlagerungen, Cellulite, Gewichtszunahme, das Gefühl von Schwere, was den Körper, aber auch das Denken angeht. 

  • Da die Milz für die Flüssigkeitsumwandlung zuständig ist, heisst es auch hier Milz stärken, wie bei dem Kältetyp. Verschleimende Lebensmittel wie Brot, Süssigkeiten, Bananen und Milchprodukte sollten noch mehr gemieden werden. Tipp: Wenn dir das Weglassen von Brot sehr schwer fällt, versuche es getoastet zu essen, dann mildert den befeuchtenden Aspekt. Ausschwemmend wirken z.B. Gerste, Hirse, Mais sowie Hülsenfrüchte und kühle-saure Obstsorten wie Brombeeren, schwarze Johannisbeeren oder Trauben (aber warm essen). Die Kochweise wie bei dem Yang-Mangel (s.o.), jedoch sollte Frittiertes und Gegrilltes vermieden werden. 

 

Hitze-Typ: Hier fehlt das Yin, der kühlende, befeuchtende Aspekt. Du bist eher aktiv bis unruhig, schwitzt schnell, hast warme Gliedmassen, evtl auch ein warmes Gesicht, du kommst nicht gut zur Ruhe, schläfst wenig oder unruhig und bist schnell reizbar. Du hast viel Durst und dann das Verlangen eher Kaltes zu trinken.  Es kann sein, dass du Sodbrennen hast, oder andere Symptome, wie Aphten oder Herpes. 

  • Hier stehen eher kühlende und befeuchtende Lebensmittel wie Birnen, Avocados, Bohnen, Soja, Quark usw. im Vordergrund. Trotzdem aber ein warmes Frühstück und gekochte Speisen, aber ein Salat oder etwas Rohkost darf hier dabei sein. Um Yin zu produzieren wird trotzdem das Yang benötigt. Die Kochmethode heißt hier suppig kochen, dünsten, blanchieren und Eintöpfe,  damit Flüssigkeiten bewahrt werden. Grillen und Rösten, ebenso wie austrocknende Lebensmittel wie Kaffee, grüner Tee, scharfes Essen sollte vermieden werden. 

 

Trockenheit-Typ: Hier ist das Yin so im Mangel dass eine Trockenheit entstanden ist. Die Haut, sowie die Nägel und Haare sind trocken, es kann zu trockenen Reizhusten kommen, die Stimme wird leise und das Sprechen wird anstrengend. Die Augen sind auch nicht mehr richtig befeuchtet und es kann zu Nachtblindheit, trockenen Augen und verschwommenen Sehen kommen. Das Bild entspricht einem (aus Sicht der TCM-) Blutmangel. 

  • Hier gilt das selbe wie für den Yin-Mangel (s.o.). Wichtig um Blut zu produzieren und die Trockenheit zu beseitigen sind grüne Blattgemüse, aber auch Datteln, Beeren, Feigen, Kirschen und Weintrauben. Um Blut zu bilden, wird Qi benötigt, deshalb ist es hier auch sehr wichtig, die Milz mit warmen, gekochten Mahlzeiten und dem warmen Frühstück zu unterstützen. 

 

Da es auch Mischformen gibt, ist es sinnvoll das Ganze bei einem ausführlichen Gespräch zu eruieren. Besteht ein Mangel schon sehr lange, ist es oft nötig, das Gleichgewicht mit chinesischen Kräutern und Akupunktur wieder herzustellen. 

 

Eine Umstellung heisst also nur, dass ich die Nahrungsmittel meinen Typ bzw. Beschwerden entsprechend anpasse. Eine Umstellung, die dann fest in dir verankert ist, dauert sehr lange. Jahrelang. Und du wirst immer wieder in alte Muster zurückfallen. Das gehört dazu und ist wichtig, um zu sehen, was tut mir gut und was verschlechtert meinen Zustand. So lernt man seinen Körper zu fühlen und auf ihn zu hören. 

 

Vielleicht fällt es auch leichter, an die Sache "umgekehrt" ran zu gehen:

  • Koche so wie du es immer machst und dann pflücke dein Menu auseinander: Wie habe ich es gekocht? Flüssigkeitsbewahrend? Austrocknend? Wärmend oder zu kühl?
  • Die Kräuter und Gewürze: Wärmen sie mich oder sind sie vielleicht zu scharf für mich?
  • Welche Lebensmittel stehen im Vordergrund? Das Getreide, das Gemüse oder besteht die Mahlzeit überwiegend aus Brot, Zucker und Milchprodukten?
  • Auf was habe ich Lust?
  • Habe ich viel Durst? Tun mir warme oder kalte Getränke gut? 
  • Nach welchen Lebensmitteln geht es mir schlechter? Friere ich dann mehr? Oder bekomme ich einen trockenen Mund? 

Und dann versuche nach und nach die Mahlzeit anzupassen. Schritt für Schritt. Andere Gewürze ausprobieren,  andere Kochweisen oder anderes Getreide. Der Speiseplan wird sich erweitern und dich bereichern. 

 

Ich kann nur das Poster von Barbara Temelie empfehlen. Da bekommst du eine Übersicht über die Einteilung der Lebensmittel nach der 5-Elemente-Ernährung. 

 

Ich hoffe ich habe es dir ein wenig logisch machen können und die Ernährungsumstellung ist nicht mehr so abschreckend für dich. 

 

Viel Spass beim Ausprobieren und bis nächste Woche, deine Anita 

 

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