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Akupunktur

Aus chinesischer Sicht ist der Körper von einem komplexen Leitbahnsystem durchzogen, den sogenannten Meridianen. Ein Meridian hat einen äusseren Verlauf und zweigt sich ins Innere zu den Organen auf. Auf dem äusseren Verlauf gibt es unterschiedlich viele Akupunkturpunkte. Je nach Länge des Meridians zwischen 9 und 67 Punkten. Jeder Punkt hat eine andere Wirkung auf den Meridian und somit auf das zugehörige Organ bzw. Gebiet.

 

Neben der Körperakupunktur gibt es zum Beispiel noch die Ohr- und die Schädelakupunktur. Ausserdem können Elektro- und Laserakupunkturgeräte eingesetzt werden. Laserakupunktur ist bei Kindern, die viel Angst vor den Nadeln haben, eine gute Alternative. Elektroakupunktur kann bei nervenbedingten Beschwerden gut eingesetzt werden. 


Als Beispiel hier der Magen-Meridian. Der Magen hat unter anderem die Aufgabe die Nahrung an die Milz weiterzugeben und trägt somit einen grossen Teil zur Qi-Produktion bei. Sein Verlauf beginnt unter dem Auge, verläuft über Teile des Gesichts und der Zähne, Schulter, Brustkorb, Bauch, Leiste, entlang des Beines und endet am der zweiten Zehe. Auch hat er einen inneren Verlauf der durch Zwerchfell, Milz-Pankreas und Magen. So können zum Beispiel Muskel-, Gelenk- oder Hautbeschwerden in dem versorgenden Gebiet auftreten. Es sollen also Punkte auf dem Magenmeridian Zahnschmerzen ebenso wie Kniegelenksbeschwerden beseitigen,  die Qi-Produktion verbessern oder bei Hitze im Magen mit Sodbrennen und Magenschmerzen Abhilfe leisten. Zusammen mit der Dickdarm-Leitbahn ergibt sich eine der drei Yang-Achsen, die bei der Schmerztherapie von grosser Bedeutung ist.

Äusserer Verlauf der Magen-Leitbahn


Wie funktioniert Akupunktur?


 

Durch das Stimulieren der Punkte mittels einer Nadel, aber auch durch Massage, Schröpfen und Moxibustion (also das Wärmen mit Beifusskraut), wird der Qi-Fluss im Meridian beeinflusst. Das heisst:

  • Qi und Yang können zum Organ geschickt werden, damit es seine Funktion wieder besser ausführen kann und die Produktion der Körpersubstanzen angeregt wird. (Wirkung auf körperlicher und geistiger Ebene, Anregung der Selbstheilungskräfte)
  • Blockaden können gelöst werden
  • Qi kann von einem Meridian umgeleitet werden (z.B. bei Fülle-Zuständen)
  • jeder Meridian hat einen Einfluss auf bestimmte Muskelregionen, so dass auch auf diese Weise Verspannungen und Schmerzen behandelt werden können
  • und noch vieles mehr

 Akupunktur arbeitet also mit der vorhandenen Qi und Essenz des Körpers und kann bei einem sehr starken Mangel kontraindiziert sein.

 


Ohrakupunktur


Welche Meridiane gibt es?

Es gibt 12 Meridian-Paare. Diese teilen sich in Yin und Yang, sowie in Fuss und Hand-Meridiane auf. Ausserdem werden sie natürlich in die 5 Elemente eingeteilt. 

 

Yin-Meridiane:

Verlauf zwischen Kopf und Fuss: Milz, Leber und Niere

Verlauf zwischen Kopf und Hand: Lunge, Perikard und Herz

 

Yang-Meridiane:

Verlauf zischen Kopf und Fuss: Magen, Gallenblase und Blase

Verlauf zwischen Kopf und Hand: Dickdarm, San Jiao und Dünndarm

 

In den Meridianen fliesst Qi - Nähr Qi. Durch Akupunktur kann man das Nähr-Qi lokal wirken lassen. Es gibt aber auch einige spezielle Punkte auf jedem Meridian, die eine besondere Funktion ausführen. Zum Beispiel leiten die Punkte, die die zweite Stelle ausgehend von Hand- oder Fussende einnehmen, Hitze aus.

Auch der Blasen-Meridian hat eine besondere Rolle, da er auf dem Rücken sogenannte Transport-Punkte für jedes Organ hat, welche das jeweilige Organ stärken. 

 

Die 8 "Wundermeridiane" 

Ausserdem gibt es noch die 8 ausserordentlichen Meridiane. Man geht davon aus, dass sie sich während der ersten Zellteilungen bilden. Sie enthalten Essenz, aus welchem ja der Embryo entsteht. Ihre Aufgabe ist es unter anderem als Reservoir zu dienen und somit einen Überschuss oder Mangel in den 12 Hauptmeridianen an Qi, Blut, Yin oder Yang zu regulieren. Auch verteilen sie das Abwehr-Qi und werden zur Stärkung der Abwehrkraft eingesetzt. 

Der Du Mai am Rücken und der Ren Mai am Bauch haben eigene Akupunkturpunkte. Sie lassen unter anderem die Essenz in die unmittelbare Region fliessen und haben somit eine besondere Wirkung.  Die anderen ausserordentliche Meridiane haben keine eigenen Punkte, sondern werden über Kreuzungspunkte auf anderen Meridianen beeinflusst. Auch das sogenannte Öffnen der ausserordentlichen Meridianen ist möglich, um Qi, Blut, Yin oder Yang (je nach Meridian) auszuschütten und zu verteilen. 

 


Ist Akupunktur schmerzhaft?

Diese Frage kommt natürlich sehr häufig an den Gedanken, dass Nadeln in den Körper gestochen werden. 

 

Das Einstechen der dünnen Nadeln sollte nicht schmerzhaft sein. Erreicht die Nadel jedoch den Akupunkturpunkt in der Tiefe, dann soll das De-Qi gespürt werden. Dies zeigt sich in einem Druckgefühl, Ziehen, Pulsieren, Wärme-oder Kältegefühl oder elektrisierendem Gefühl. Je nach Syndrom werden die Nadeln während der Behandlung in unterschiedlicher Art und Weise stimuliert. Die Nadeln verbleiben 20-30 Minuten, während man es sich auf der warmen Liege bequem macht. 


Materialien zur Meridiantherapie (links beginnend, im Uhrzeigersinn): Schröpfköpfe, Ohrakupunkutrzubehör und Dauernadeln, Moxazigarren und -kegel, Akupunkturnadeln


Ich hoffe ich konnte dir einen kleinen Einblick schaffen und das Prinzip der Akupunktur vermitteln. Hast du noch Fragen? Schreibe einfach in den Kommentaren oder eine Email! 

 

Einen schöne Woche wünsche ich dir, deine Anita 

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